Während der Siegerehrung sprach der Verlierer Söderling als Sportsmann mit Worten, die in Erinnerung bleiben dürften:
"You really gave me a lesson on how to play tennis today.
To me, you are the greatest player in history." (Söderling)
Perspektiven der Freiheit.
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Wäre es nicht wünschenswert und gar echt-liberal, wenn
ein jeder den gleichen Lohn bekommt, egal wie lange ihn der Markt gebraucht hat? - Leistung soll sich lohnen und gerecht auszahlen. Es ist immer noch so, dass Männer gegenüber
Frauen im Durchschnitt besser entlohnt werden. Die Arbeit der Frau ist im Vergleich zum Mann nicht weniger wichtig oder weniger wertvoll. Anlässlich des Jubiläums der
Frauenhilfe vor 100 Jahren steht die folgende Predigt von Pfarrerin Jutta Jekel aus
Wiesbaden.
3. Sonntag v.d. Passionszeit
Lutherkirchengemeinde
Jubiläum der Frauenhilfe vor 100 Jahren
Liebe Festgemeinde!
So also sieht es im Himmelreich aus: Jeder bekommt den gleichen Lohn, egal wie lange er gearbeitet hat. Ob einer drei, sechs oder neun Stunden beschäftigt war, ist egal. Ob er sich angestrengt hat, die Mittagshitze ausgehalten- darauf kommt es bei der Entlohnungsrunde nicht an.
Alle bekommen das gleiche, einen Denar.
Der eine Denar reicht gut für das Leben. Damit können einen Tag lang alle notwendigen Kosten einer Familie - auf einem eher bescheidenen Niveau- bestritten werden. Vater, Mutter, Kinder könne damit leben, und der Vater hat das Geld ins Haus gebracht.
Weil wir heute ein Frauenjubiläum feiern, sei die Frage erlaubt: Wo sind die Frauen in unsrer Geschichte? Die Antwort ist einfach und zeitbedingt: Der Marktplatz war damals als öffentlicher Ort von Männern dominiert, Frauen arbeiteten in der Regel nicht außer Haus, sondern waren für die häuslichen Tätigkeiten zuständig. Ihre Arbeit war die Pflege der Kinder, das Kochen, die Hauswirtschaft. Diese Arbeit bleibt in unsrer Geschichte unsichtbar. Für das gelingende Zusammenleben in einem Gemeinwesen, einer Familie ist sie allerdings unabdingbar notwendig. Wir kennen das.
Zurück zum Gleichnis (Mt 20, 1-16a):
Wie es aussehen wird im Reich des Himmels – heute wird es uns an einem Beispiel aus der landwirtschaftlichen Arbeitswelt veranschaulicht, und das ist eine männerdominierte Sphäre.
Alle Arbeiter bekommen den gleichen Lohn. Gleichgültig, wie lange sich ein Taglöhner über den Tag verdingt hat oder andersrum gesehen: wie lange seine Arbeit gebraucht/ nachgefragt wurde … wir wissen nicht, wie lange die Männer da rumgestanden haben, wartend, hoffend,enttäuscht…dann doch benötigt.
Immerhin wurden sie benötigt. Glück für sie.
[...]
Unser Gleichnis präsentiert uns ein irritierendes frühsozialistisches Modell der Entlohnung: Möglich macht das die Güte des Weinbergbesitzers. Er
entlohnt nach diesem urkommunistischen Gleichheitsmodell – jedem das Gleiche, unabhängig von der Leistung, unabhängig davon, wie lange der Markt ihn gebraucht hat.
So soll es sein, nach Jesus, wenn Gottes Wille die Wirklichkeit bestimmt.
[...]
Den Protagonisten in der Geschichte scheint es so gegangen zu sein, wie es uns wohl gehen würde, wären wir in unserem Alltag mit einem solchen Entlohnungsmodell konfrontiert:
Sie sind keineswegs begeistert.
[...]
Auch zu unserem Leben, zu unseren Erfahrungen steht das, was wir da hören, in derbem Kontrast:
Wir leben in einer Gesellschaft, in der klar nach Leistung entlohnt wird. Leistung soll sich lohnen, und die Leistungsanreize sind oft materiell – pekuniär. Wer mehr verdient als ein anderer, kann sich mehr leisten, kaufen, hat dadurch ein höheres Ansehen. Die gesellschaftliche Wertschätzung hängt auch mit der Höhe des Einkommens zusammen.
Über gute Leistungen unsrer Kinder in Schule/ Ausbildung Studium freuen wir uns, ebnet das ihnen – hoffentlich – den Weg in einen Beruf und damit in die Teilhabe am gesellschaftlichen Ganzen.
Und uns selbst verlangen wir doch auch Leistung ab, wir wollen gute und nicht mittelmäßige oder gar schlechte Leistungen erbringen – daran hängt doch auch unser Selbstwertgefühl.
[...]
Neben diesem Leistungsprinzip, das fällt uns allen sicher sofort ein, gibt es in unsren westlichen Gesellschaften, gibt es bei uns in Deutschland den Sozialstaat: der Sozialstatt hilft da weiter, wo Menschen sich nicht mehr oder noch nicht aus eigenen Kräften helfen können, und das ist gut so.
Unser christlicher Glaube hat zur Entwicklung dieses sozialstaatlichen Modells Wesentliches beigetragen. Dass alle Menschen vor Gott gleich wert, gleich würdig sind, das lehrt uns der reformatorische Glaube. Dass sie es auch im Leben sein können sollen, das ist Umsetzung dieses Glaubens in praktische Politik.
[...]
Unser Gleichnis betont die Güte als Haltung der Barmherzigkeit Menschen gegenüber, die wenig, zu wenig im Leben haben. Es nimmt uns mit hinein in die Bewegung der Güte Gottes uns Menschen gegenüber. Alle sollen genug haben
Gott ist gütig, nicht nur gerecht. Er gibt den Menschen, was sie brauchen, nicht, was sie erwirtschaften können.
[...]
Frauenhilfe hat sich auf diesen Weg gemacht.
Hat gesehen, dass neben staatlichem auch persönliches Handeln wichtig ist.
Sozialreformerische Gesetzgebung einerseits, Liebes- und Hilfsdienste andererseits können zwei Seiten der einen Güte Gottes sein.
In der Lutherkirche hat die Liebenstätigkeit der Frauenhilfe vor fast genau 100 Jahren begonnen. Am 3.2. 1909 hat die Gründungsversammlung des Frauenhülfsvereins in der Turnhalle der Gutenbergschule stattgefunden. Gegenüber wurde zeitgleich der Grundstein der Lutherkirche gelegt.
Suppenküche, Nähkurse, Kleinkinderschule, Gemeindekrankenpflege, das waren die ersten Aktivitäten. Schwesterliche Hilfe für die armen Schwestern und ihre Familien hatte sich der Frauenverein als konkreten Liebeshilfsdienst vorgenommen und umgesetzt. Bis heute gibt es diese schöne Tradition in der Lutherkirche.
Sie nimmt die Güte Gottes und setzt sie als tätige Nächstenliebe um.
Güte für andere. Das ist die eine Seite, heute so wichtig wie damals.
Güte für uns, das ist die andere Seite: leben wir nicht alle aus der Güte Gottes?
Gerade da, wo wir schwach klein und wenig leistungsfähig sind,– gilt uns nicht genau da die Güte Gottes? Wo wir uns selbst als „Verlierer“ empfinden, wo wir das Gefühl haben, nicht mehr mithalten können?.
In unsrer Geschichte gibt es keine „loser“. Alle sind dabei. Bekommen ihre Chance. Ihren Anteil am Leben, am Glück.
[...]
Pfarrerin Jutta Jekel, Wiesbaden
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